Dampflok bekommt kein Wasser – Hydranten verplombt

ABproTWE, 78 468 Teuto Express Bad Laer, CC BY-SA 3.0

Seit 20 Jahren fährt ein historischer Dampfzug, der Teuto-Express, in der Wintersaison eine „Winterdampffahrt“ von Lengerich nach Warstein, die auch jedes Jahr gut besucht wird. Vergangenen Samstag war es wieder soweit, doch die Fahrt wurde schon kurz nach dem Start unterbrochen. Im münsterländischen Tönnishäuschen war „Wasserfassen“ angesagt. Doch es gab ein Problem: Der Hydrant, der in all den vergangenen Jahren immer für das durstige Dampfross Wasser gegeben hatte, war verplombt – von der Wasserversorgung Beckum. Die Eisenbahnfreunde hatten darüber keine Informationen seitens der Wasserversorgung bekommen.

„Schluss damit!“

Die Zeitung DerWesten.de hat bei der Wasserversorgung Beckum nach Gründen gefragt. Dirk Steinhoff, Leiter des technischen Bereichs Rohrnetz, fand klare Worte: „Wir mussten jetzt endlich mal handeln und sagen: Schluss damit!“ Die Begründung dieser Maßnahme lässt wohl bei einigen auch eine Augenbraue hoch gehen: „Wenn unkontrolliert Wasser aus dieser Hauptleitung entnommen wird, kann das ganze Netz zusammenbrechen. Das können wir nicht zulassen.“ Merkwürdig, dass das erst nach 20 Jahren zum Problem wird. Da stand sie nun, 78 468 bekam kein Wasser und konnte mit den noch vorhandenen Reserven nicht mehr lange auskommen. So beschlossen die Eisenbahnfreunde, vier Bahnhöfe weiter zu fahren, um dort „ihr Glück“ zu versuchen. Doch Fehlanzeige: Auch dieser Hydrant war verblompt.

Siegelbruch und Wasserdiebstahl

Wie durch Zufall tauchte dort auch ein Mitarbeiter der Wasserversorgung Beckum auf, der auf die Verplombung des Hydranten hinwies und bei Hinwegsetzung mit einer Anzeige über Siegelbruch und Wasserdiebstahls drohte. Selbst die zu Hilfe gerufene Feuerwehr konnte nicht helfen. Die Wasserversorgung hatte die Feuerwehren angeschrieben und eine Überlassung von Wasser an die Eisenbahnfreunde untersagt. Die Wassermenge, die für die Weiterfahrt benötigt worden wäre, hätte einen Gegenwert von ca. 15 Euro betragen – welcher auch vor Ort sofort entrichtet worden wäre. Am Ende musste eine Diesellok helfen.

60 Jahre Lokgeschichte

Die schiebende V36 zog kurzerhand den Dampfzug nach Anröchte. Dort hat die Wasserversorgung Beckum keinerlei Einfluss mehr. Das Dampfross konnte Wasser tanken und die Fahrt fortgesetzt werden. Um die steile Auffahrt nach Warstein  zu schaffen, wurde ab Lippstadt eine weitere Diesellok der Westfälischen Landeseisenbahn (WLE) als dritte Zugkraft vor den Zug gespannt. Die Fahrgäste waren zweigeteilt. Manche freuten sich über „60 Jahre Lokgeschichte – von 1923 bis 1961 – hintereinandergespannt, sieht man selten“, andere wiederum tadelten über die Dieselloks, weil diese die Dampflok verdrecken würden. Letztendendes konnte die Fahrt wie geplant fortgesetzt werden.

Ein „Bärendienst“ für den Tourismus

Warum die Wasserversorgung Beckum ohne Information an den Eisenbahn-Traditionsverein einfach alle Hydranten verplombt hatte, bleibt wohl weiterhin ein Rätsel. Die Fahrt war am Ende zwar erfolgreich und die gut 400 Fahrgäste erlebten einen durchaus interessanten Tag, aber die Kosten für die Anmietung der dritten WLE-Lok schlägt für den Eisenbahnverein mit rund 1.500 Euro zu Buche.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*